Online-Kooperationsprojekt: Schatullrechnungen Friedrichs des Großen in Datenbank erfasst

Wissenschaftlicher Meilenstein im Vorfeld des 300. Geburtstags des Königs im Jahr 2012

[Auf dem Campus, 09.06.2011] In einem Kooperationsprojekt haben die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG), das Geheime Staatsarchiv zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (GStA PK) und das Webportal „perspectivia.net“ der Stiftung Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland (DGIA) die Schatullrechnungen Friedrichs des Großen erforscht, digital erschlossen und auf „perspektivia.net“ veröffentlicht.
Unterstützt wurde die Umsetzung des Projektes von der Stapp-Stiftung sowie von der Stiftung „pro Sanssouci“. Mit dieser Auswertung sei deutlich geworden, dass Friedrich so sparsam nicht war wie bisher angenommen – der König habe sich demnach privat auch gern etwas Luxus gegönnt:
Die Schatullrechnungen sind eine Art private Kontoauszüge mit rund 20.000 Einzelposten, die nur sehr wenige Vertraute des Königs kannten.
Die Ausgaben des Königs in den 41 dokumentierten Jahren schwankten, sie bewegten sich zwischen knapp 200.000 Reichstaler im Jahr 1750 und 30.840 im Jahr 1786. Zum Vergleich – dem Staat Preußen standen 1781 Staatseinnahmen in Höhe von rund 19 Millionen Reichstaler zur Verfügung.

© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)

© Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG)

Königliches Siegel auf einer Rechnung, Juli 1748

Die Dokumente umfassen 41 gebundene Mappen mit jeweils vier bis 63 Blättern. Für die Online-Publizierung konnten die insgesamt 910 Blätter aus den Jahren 1742 bis in das Todesjahr Friedrichs des Großen 1786 seit Projektbeginn im September 2009 aufgenommen und in einer Datenbank erfasst werden. Um für die Benutzer die Recherche zu erleichtern, sind die originalen Rechnungen zunächst Blatt für Blatt eingescannt und anschließend transkribiert sowie digitalisiert worden. Jeder Datensatz enthält das eingescannte Original sowie dessen Transkription. Die bedienerfreundliche Steuerung der Datenbank ermöglicht eine leichte und einfache Navigation zwischen den Dokumenten. Mit Hilfe der Suchfunktion können einzelne Ausgabenposten anhand von Schlagwörtern gezielt herausgefiltert werden.
Diese erste umfassende Auswertung der bisher im Staatsarchiv bewahrten Schatullrechnungen lasse erkennen, wie konsequent der König seine Vorlieben pflegte. So habe er sich kostbaren Champagner und Weine, Obst wie Kirschen und Melonen im Winter geleistet, für seine Windspiele „ein Kleid für den kleinen Hund“ als Kälteschutz schneidern lassen und Zulagen an Künstler wie die Tänzerin Barberina verteilt, um sie an den Hof zu binden.
Die SPSG möchte mit diesem Projekt ihre Stellung als internationale wissenschaftliche Forschungseinrichtung weiter ausbauen. Sie ist seit dem Abbau der Lehrstühle für Preußische Geschichte in Deutschland diejenige Institution, die sich durch Konferenzen, Ausstellungen und Forschungen besonders intensiv der wissenschaftlichen und öffentlichen Aufbereitung der preußischen Kunstgeschichte und Geschichte des 17. und 18. Jahrhunderts im europäischen Rahmen annimmt. Für die Vorbereitungen der großen Präsentation „Friederisiko. Friedrich der Große“ zum 300. Geburtstag des Königs im Jahr 2012 im Neuen Palais in Potsdam sei die Onlinestellung der Schatullrechnungen ein Meilenstein. Die SPSG fördert im Vorfeld der Jubiläumsschau durch regelmäßige Tagungen mit jungen internationalen Wissenschaftlern das Wissen um den König und seine Zeit.

Weitere Informationen zum Thema:

perspektivia.net
Die Schatullrechnungen Friedrichs des Großen

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 09.06.2011
FRIEDERISIKO · Friedrich der Große / 28. April bis 28. Oktober 2012 / Potsdam, Neues Palais und Park Sanssouci

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz
Das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, 09.06.2011
Der knauserige König liebte privat den Luxus / Schatullrechnungen Friedrichs des Großen ausgewertet und online gestellt

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