EUROPA NOSTRA fordert Rettung archäologischer Funde des mittelalterlichen Rathauses von Berlin

„Große symbolische und historische Bedeutung für die Stadt Berlin und ihre Bürger“ in einer Stellungnahme gegenüber dem Regierenden Bürgermeister betont

[Auf dem Campus, 17.02.2012] Das von Denis de Kergorlay, dem geschäftsführenden Präsidenten des EUROPA NOSTRA, unterzeichnete Schreiben an Klaus Wowereit geht zur Kenntnisnahme auch an die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel; den Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Dr. Peter Ramsauer; den Staatsminister für Kultur und Medien, Dr. Bernd Neumann; Doris Pack, MEP, Vorsitzende des Ausschusses Kultur und Bildung im Europäischen Parlament; Gustavo Araoz, Präsident von ICOMOS; Francesco Bandarin, stellvertretender Generaldirektor für Kultur bei der UNESCO; Landesarchäologe Prof. Dr. Matthias Wemhoff, Museum für Vor – und Frühgeschichte; sowie an den Landeskonservator Prof. Dr. Jörg Haspel.
EUROPA NOSTRA, ein 1963 gegründeter europäischer Verbund nicht-staatlicher Denkmalschutzorganisationen mit Sitz in Den Haag, hatte anlässlich seiner Vorstandssitzungen am 10. und 11. Dezember 2011 in Berlin Kenntnis von den möglichen Folgen der gegenwärtigen Planungen zur Erweiterung der U-Bahnlinie 5 für die ausgegrabenen Reste des mittelalterlichen Rathauses erlangt.
In dem Schreiben an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, setzt sich EUROPA NOSTRA nun für die Erhaltung der ausgegrabenen Reste des Alten Rathauses ein.

Abbildung: Bürgerforum Historische Mitte Berlin

Abbildung: Bürgerforum Historische Mitte Berlin

Spuren dokumentierten eine lange Kontinuität der Selbstverwaltung über viele Jahrhunderte und sind eine wichtige Erinnerung an die mittelalterlichen Ursprünge der Stadt Berlin.

Die archäologischen Reste hätten demnach eine „große symbolische und historische Bedeutung für die Stadt Berlin und ihre Bürger“. Diese Bedeutung scheine 1865 wohl verstanden worden zu sein, als das „Rote Rathaus“ erbaut wurde und die Reste seines mittelalterlichen Vorgängers bewusst in situ belassen und erhalten wurden. Diese Spuren dokumentierten eine lange Kontinuität der Selbstverwaltung über viele Jahrhunderte und seien eine wichtige Erinnerung an die mittelalterlichen Ursprünge der Stadt Berlin.
EUROPA NOSTRA bedauert sehr, dass die Planung für die U5 und deren Haltestelle vor dem heutigen Berliner Rathaus abgeschlossen wurden, bevor die archäologische Untersuchung durchgeführt wurde – dies sollte normalerweise gängige Praxis vor der Planung neuer Bauten in nächster Nähe zu bedeutenden potenziellen archäologischen Fundstellen sein. Eine rechtzeitige archäologische Bewertung hätte nämlich den Planungsprozess begleiten, informieren und optimieren können – und die Architekten in die Lage versetzt, bei ihren Plänen und Entwürfen Rücksicht auf die vorhandenen Reste des mittelalterlichen Rathauses zu nehmen.
Das Landesdenkmalamt empfehle eine erneute Prüfung der Lage der Eingänge zur geplanten U5-Station „Berliner Rathaus“, um den größtmöglichen Teil der Funde zu erhalten, sowie eine Verlängerung der Ausgrabungsfrist um sechs Monate, damit die vollständige archäologische Untersuchung des Gebiets möglich wird. Bei der Betrachtung der Pläne für diese Station scheint es nach Ansicht von EUROPA NOSTRA durchaus möglich, eine technische Lösung – z.B. eine leichte Kurve der Trasse um einige wenige Meter – zu finden, die einerseits die Erhaltung der archäologischen Reste an Ort und Stelle erlaubt, andererseits die Errichtung der Station in diesem Bereich ermöglicht. Die Prüfung der Pläne werde wohl eine Verzögerung für das Projekt zur Folge haben – dies sei aber weitaus besser und vorzuziehen als die Durchführung eines Planes, der unnötigerweise eine wichtige Erinnerung an die Vergangenheit Berlins zerstören würde.
In Anbetracht der stetig wachsenden Kenntnisse vom Ausmaß und der Bedeutung der archäologischen Befunde wird der Regierende Bürgermeister ermutigt, die Möglichkeit der Erhaltung der Reste des mittelalterlichen Rathauses erneut eingehend prüfen zu lassen – bei gleichzeitiger Ausführung der angestrebten Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur der Stadt Berlin.

Weitere Informationen zum Thema:

EUROPA NOSTRA
The Voice of Cultural Heritage in Europe / La Voix du patrimoine culturel en Europe

GTIV, 26.06.2011
Berlins Stadtentwicklung: Metropolregion muss der Maßstab sein / GTIV-Präsident berichtet vom 3. Bürgerforum Historische Mitte

GTIV, 25.05.2011
Relikte des Alten Rathauses: Vorschlag des Bürgerforums Historische Mitte Berlin zur Rettung und Nutzung / Beobachtungen und Anmerkungen von GTIV-Präsident Dirk Pinnow

GTIV, 21.03.2011
Bürgerforum Historische Mitte Berlin will Reste des Mittelalterlichen Rathauses komplett erhalten / Neue Veranstaltungsreihe strebt breite Beteiligung der Bürger an den Planungen in der historischen Mitte an

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