Cluster Industrie 4.0: Mittelstandsinitiative für Teilhabe und Wohlstand

Unternehmer, Hochschullehrer, Ingenieure, Techniker, Verbandsvertreter und Wissenschaftler zur Mitwirkung aufgerufen

[Auf dem Campus, 31.01.2015] Das im Dezember 2014 in Berlin gegründete „Cluster Industrie 4.0“ (CI4) nimmt zum 1. Februar 2015 seine Tätigkeit auf. Nach der Mechanisierung, Elektrifizierung und Informatisierung ist eine vollständige Digitalisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erwarten – gewissermaßen die vierte industrielle Revolution, die sogenannte „Industrie 4.0“. Diese bietet eine Vielfalt an Chancen, gerade auch für den deutschen Mittelstand, birgt aber auch gewaltige Herausforderungen und Risiken, deren erfolgreich Bewältigung Voraussetzung für die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschland in der Zukunft ist. Hierzu möchte CI4 gerade zum Nutzen des deutschen Mittelstands u.a. Informationsveranstaltungen, Tagungen, Publikationen und Beratungsdienstleistungen für die Entscheider- und Arbeitsebene anbieten.

Wertschöpfung mit industrienahen Dienstleistungen

Im Zuge der Deindustrialisierung traditioneller Produktionsstandorte in den 1990er-Jahren wurde gerne das Bild einer reinen „Dienstleistungsgesellschaft“ im 21. Jahrhundert gezeichnet, welche eine selbstbestimmte Teilhabe an der Wertschöpfung und am Wohlstand ermöglichen sollte. Inmitten der zweiten Dekade des neuen Jahrtausends zeigt sich indes, dass reine Dienstleistungen allein für eine Industrienation nicht ausreichend Wertschöpfungspotenzial bieten und die Gesellschaft in Deutschland sich sogar faktisch immer mehr von der Idee der Sozialen Marktwirtschaft entfernt.

Michael Taube, Clustersprecher Industrie 4.0

(Foto: privat)

Michael Taube: Dozent, Berater und CI4-Clustersprecher

Der Begriff „Industrie 4.0“ drohe leider auch zu einem inflationär gebrauchten Modebegriff zu werden – so wie „Cloud Computing“ oder „Internet der Dinge“, warnt Michael Taube, CI4-Clustersprecher. Noch sei vieles im Fluss, nicht scharf abgegrenzt. Deutschland müsse sich auf diesem Gebiet an die Spitze setzen, Standards definieren und das erforderliche Umfeld hinsichtlich Infrastruktur sowie Aus- und Weiterbildung schaffen, fordert Taube. Denn: „Wenn wir es nicht tun, werden sich andere Volkswirtschaften wohl kaum hinten anstellen!“

Risiken erkennen und Chancen nutzen

Taube geht es darum, mit Realismus und Pragmatismus, aber auch mit einer gehörigen Portion Optimismus, die Risiken zu erkennen, um ihnen frühzeitig begegnen zu können, und die Chancen der „Industrie 4.0“ insbesondere für die mittelständische Wirtschaft in Deutschland und Europa nachhaltig erfolgreich zu erschließen.
Daher hat er mit drei weiteren Gründungspartnern am 1. Dezember 2014 in Berlin das „Cluster Industrie 4.0“ (CI4) ins Leben gerufen, welches nun am 1. Februar 2015 offiziell seine Tätigkeit aufnimmt. Unternehmer, Hochschullehrer, Ingenieure, Techniker, Verbandsvertreter und Wissenschaftler sind aufgerufen, aktiv an der Fortentwicklung des Clusters mitzuwirken.
Taube, Dozent, Projektmanager und PM-Trainer sowie Unternehmensberater, ist u.a. Mitglied im VDI (Beirat der Fachgesellschaft GPP), in der Deutschen Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), in der International Association of Project Manager (IAPM) und im Verband der IT- und Internetwirtschaft in Berlin und Brandenburg (SIBB); ferner ist er Unterstützer der Berliner Datenschutzrunde.

Teilhabe durch fundierte Aus- und Weiterbildung

Gründungspartner Jörg Fleischer, Consultant bei der GPB Consulting GmbH in Berlin, sagt, dass es höchste Zeit für die Bildungsträger sei, ihre Angebote entsprechend ausrichten. Dabei gehe es zunächst noch gar nicht um Spezialwissen, sondern um solide Grundlagen und elementare Kulturtechniken, erläutert Fleischer. Gebe es keine stabile, belastbare Basis, könne ein solch epochaler Wandel, der eben nicht nur Technik und Wirtschaft, sondern auch die Kultur einer Gesellschaft beeinflusse, nicht gelingen.
Der reindustrialisierte Wirtschaftsstandort müsse sich dieser Herausforderung im Sinne der „Industrie 4.0“ stellen, denn nur so könne Wohlstand auch in Zukunft gesichert werden. Als CI4-Bildungsexperte setzt sich Fleischer dafür ein, über eine zukunftsorientierte Grund- und Spezialausbildung möglichst vielen Menschen die Teilhabe an deren Chancen zu ermöglichen.

Zuverlässige und stabile „Industrie 4.0“ nur mit „Sicherheit 4.0“

Das „Internet der Dinge“ als Basis der „Industrie 4.0“ könne Segen aber auch Fluch sein, so Gründungspartner Carsten J. Pinnow. Eine umfassende Vernetzung entlang der gesamten industriellen Prozesskette könne nur nach der Devise „So viel Vernetzung wie nötig, so wenig wie möglich!“ erfolgen. Es müsse grundsätzlich erkannt werden, dass es auch eine Pflicht zur unverzüglichen Entkopplung gebe, wenn z.B. durch Malware-Befall eines beteiligten Unternehmens eine Gefahren für das gesamte Wertschöpfungsnetzwerk oder gar die Volkswirtschaft erwachsen könnte. Er stellt klar, dass zur erfolgreichen Umsetzung von „Industrie 4.0“ auch angemessene Sicherheitskonzepte, insbesondere auf dem Gebiet der Datensicherheit, erforderlich sind.
Aber nicht nur die Technik, sondern auch Rechtsprechung und Kommunikationskultur würden sich verändern, so der Mit-Herausgeber des Web-Magazins „datensicherheit.de“ und stellv. Leiter des Arbeitskreises Sicherheit im VDI BV Berlin-Brandenburg sowie Generalsekretär der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens.

„Made in Germany“ im neuen Glanz

Nahezu alle wesentlichen Lebensbereiche würden betroffen sein, ist sich auch Gründungspartner Dirk Pinnow sicher. „Industrie 4.0“ berühre eben nicht nur die bekannte Welt der klassischen Industrie. Er sieht gerade für die kleineren mittelständischen Unternehmen (KMU) in Deutschland eine große Chance, denn sie könnten sich zusammen mit in- und ausländischen Partnern zu virtuellen Konzernen verbinden und so auch im globalen Wettbewerb antreten und bestehen. Aber an dieser Chance sehe man auch gleich die Herausforderung, nämlich das Vorhandensein einer geeigneten Infrastruktur – und das nicht allein auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnologie, sondern auch bei Verkehrswegen und zuverlässiger Energieversorgung etc. – sowie interkultureller Fähigkeiten, um eine stabile Netzwerk-ORGA auch grenzüberschreitend zu etablieren.
Für Deutschland bietet sich die einmalige Chance, zum internationalen Leitmarkt und -anbieter im industriellen Bereich aber auch in anderen Wirtschaftssektoren, wie Landwirtschaft und Dienstleistungen, zu werden und so der Marke „Made in Germany“ zu neuem Glanz zu verhelfen, ist sich der Gründungspräsident der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens (GTIV) sowie Leiter des Arbeitskreises Sicherheit im VDI BV Berlin-Brandenburg sicher.

Weitere Informationen zum Thema:

CI4
Cluster Industrie 4.0

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Initiativen, Innovationen, Kooperationen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*