Biodiversitätsforschung im Kurilen-Kamtschatka-Graben: Hamburger Forscher mit russischen Kollegen auf Expedition

Projekt „Kurile Kamchatka Deep-Sea Biodiversity“ (KuramBio) hat kleinste bodenlebende Organismen von weniger als einem bis 20 Millimeter Größe im Fokus

[Auf dem Campus, 21.07.2012] Ein Team von 14 Wissenschaftlern der Universität Hamburg und des zur Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung gehörenden Deutschen Zentrums für Marine Biodiversitätsforschung in Wilhelmshaven geht an Bord des Forschungsschiffs „Sonne“ – gemeinsam mit elf russischen Kollegen des Institute of Marine Biology aus Wladiwostok sowie des Shirshov Institutes aus Moskau.
Ziel ist der Pazifische Ozean, um im Kurilen-Kamtschatka-Graben vor der russischen Küste und in der benachbarten Tiefsee-Ebene die Artenvielfalt zu erforschen. Die Ergebnisse sollen unter anderem helfen, mögliche Auswirkungen von Meeresbergbau abschätzen zu können.
In Tiefen von 6.000 Metern unter der Wasseroberfläche mit ewiger Dunkelheit könnte man relativ wenig Leben erwarten – doch es gibt dort vielfältige Flora und Fauna. Im Nordwestpazifik in der Kurilen-Kamtschatka-Region will jetzt das 25-köpfige Wissenschaftler-Team vom 20. Juli bis 7. September 2012 diese Biodiversität untersuchen. Das Projekt „Kurile Kamchatka Deep-Sea Biodiversity“ (KuramBio) wird geleitet von Prof. Dr. Angelika Brandt vom Zoologischen Museum der Universität Hamburg. Kooperationspartner ist das Deutsche Zentrum für Marine Biodiversitätsforschung, Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven mit Prof. Dr. Pedro Martinez Arbizu. Koordinatorin der russischen Seite ist Dr. Marina Malyutina vom Institute of Marine Biology in Wladiwostok.
Die Wissenschaftler werden mit speziellen Geräten Proben entnehmen und diese untersuchen. Zum Beispiel soll das „Ocean Floor Observation System“ zum Einsatz kommen, das bis in 6.000 Meter tiefseetauglich ist und mit dessen Hilfe man am Meeresboden lebende Organismen dokumentieren kann. Erforscht wird, welche Arten in welcher Größenordnung in den untersuchten Regionen vorkommen. Dabei stehen kleinste bodenlebende Organismen von weniger als einem bis 20 Millimeter Größe im Fokus. Ein weiteres Ziel der Expedition ist, neue Arten zu beschreiben und der Wissenschaft zugänglich zu machen.
Die Expedition ist bereits die zweite deutsch-russische Forschungsexpedition in Kooperation. 2010 fand im Japanischen Meer die Expedition „Sea of Japan Biodiversity Studies“ (SoJaBio) statt.
Besonders interessant ist der Ergebnisvergleich der beiden Expeditionen, da die untersuchten Gebiete sehr unterschiedlich sind – die Kurilen-Kamtschatka-Region ist geologisch älter und zudem leichter zu besiedeln als die relativ geschlossene Japanische See. Darüber hinaus ist der westliche Pazifik eine nährstoffreiche Meeresregion. Bisher wurden hauptsächlich Gewässer mit geringerer Produktion, z.B. im zentralen Pazifik, untersucht.
Die Tiefsee ist einer der größten und zugleich am wenigsten erforschten Lebensräume. Obwohl sie schwer zugänglich ist, birgt ihre Untersuchung großes Potenzial. Daten zur Artenvielfalt können zum Beispiel helfen, die Auswirkungen von Tiefseebergbau einzuschätzen oder Schutzkonzepte für die Meere zu entwickeln.

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