Jungius-Förderpreise 2011 für exzellente Forschungen an der Universität Rostock verliehen

Herausragende wissenschaftliche Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern durch die Gesellschaft der Förderer der Universität Rostock e. V. ausgezeichnet

[Auf dem Campus, 01.07.2011] Die „Joachim-Jungius-Förderpreise“ der Gesellschaft der Förderer der Universität Rostock e. V. werden jährlich für herausragende wissenschaftliche Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern der Universität Rostock verliehen:
Am 1. Juli 2011 übergaben Rektor Prof. Dr. Wolfgang Schareck und Wolfgang Grieger, Vorsitzender der Gesellschaft der Förderer, den mit 2.000 Euro dotierten Preis gleich vier Mal in einer Akademischen Festveranstaltung in der Universitätskirche an die Preisträger 2011, Dr. agr. Wakame Negassa Chewaka, Dr. rer. nat. Christian Reiher, D. Gabriele Richter und Dr. rer. nat. Stephan Peitz.
In der mit „summa cum laude“ bewerteten Doktorarbeit „Organic matter effects on phosphorus dynamics in tropical soils: Sorption, fraction, speciation and biochemical activities“ befasst sich Dr. Chewaka mit dem essenziellen Pflanzennährstoff Phosphat, dessen ausreichende Präsenz in pflanzenverfügbarer Form für jede Agrarproduktion unverzichtbar ist. In den afrikanischen Ländern unterhalb der Sahara ist die Phosphatversorgung der Pflanzen sehr problematisch. Dr. Chewaka stammt aus Äthiopien – für  die Arbeiten an seiner Dissertation hat er ein Forschungsstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) selbst eingeworben. Er untersuchte, ob phosphathaltige Neben -und Abfallprodukte aus der einheimischen Agrarindustrie zur Verbesserung der Situation beitragen können, ob sie im Boden durch ihre organischen Bestandteile die Bindungsstellen für Phosphat an Eisenoxid blockieren und durch ihren eigenen Phosphatgehalt zur Pflanzenernährung beitragen. Seine Arbeit habe nicht nur Bedeutung für tropische Regionen und Entwicklungsländer, weil die Erschöpfung der gesamten mineralischen Ressourcen für Düngerphosphat und die Zunahme der Weltbevölkerung die Suche nach alternativen Ansätze für die Phosphat-Düngung zu einer zentralen wissenschaftlichen Aufgabe machten, heißt es in der Begründung zur Preisvergabe.
Für seine Dissertation „A proof of the theorem according to which every prime number possesses property B.“, die mit dem Gesamtprädikat „summa cum laude“ bewertet wurde, erhielt Dr. Reiher den diesjährigen „Jungius-Förderpreis“. Dr. Reiher ist der weltweit erfolgreichste Teilnehmer an den internationalen Mathematik-Olympiaden, die seit 1959 jährlich durchgeführt werden. Bereits während seines Mathematikstudiums in München bewies er seine Ausnahmebegabung für die Mathematik durch Forschungsergebnisse, die in Fachkreisen Aufsehen erregten. Gleiches gilt für die Ergebnisse seiner Dissertation, die er in nur 15 Monaten an der Universität Rostock erarbeitete. Darin beweist Dr. Reiher eine Vermutung aus der Null-Summen-Theorie, einem Gebiet der kombinatorischen Zahlentheorie. An der Vermutung haben sich Experten mit großem rechnerischen Aufwand etwa 40 Jahre lang versucht, ohne mehr als einzelne Spezialfälle zu lösen. Dr. Reiher habe eine neue Methode entwickelte, die das Problem verallgemeinernd endgültig löse. Dabei werde sein tiefes Verständnis für die Problematik ebenso deutlich, wie seine außerordentliche Kreativität. Das Ergebnis bringe die Theorie voran und lasse neue Anwendungen erwarten, würdigt die Jury die Einzigartigkeit dieser Leistung.
Auch mit dem Gesamtprädikat „summa cum laude“ wurde die Doktorarbeit von Dr. Richter „The ,Occupation’ of a Mission Field: Wilhelm Bergmann’s Mission Work in the 1930ies in Chimbu (Highland New Guinea) in the Autobiography ‘Vierzig Jahre in Neuguinea’ and other ‘Sources’“ bewertet. Diese Dissertation ist eine Studie zur Missionsgeschichte im Hochland von Neuguinea in den 1930er-Jahren. In diesem Zeitraum wurde das Gebiet der ehemaligen Deutschen Kolonie unter Völkerbundsmandat von Australien verwaltet; heute gehört es zu Papua-Neuguinea. Nach Konzeption und Bearbeitung kann diese Arbeit beispielgebend für ähnlich gelagerte Forschungsvorhaben sein, weil sie die außerordentliche Komplexität des „Missionsfeldes“ nach Breite und Tiefe der Problematik erkennt und behandelt und Verflechtungen deutlich macht. Dazu gehören die religiösen Ansätze, die Methoden, Ziele und Erwartungen des Missionars auf der einen und der Missionierten auf der anderen Seite. Die Komplexität betrifft die geistliche und physische Macht, auch Gewalt, sowie Politik in unterschiedlichen Dimensionen, ethnologische Gegebenheiten und Aspekte der Kolonisierung. Die Ergebnisse dieser umfangreichen interdisziplinären Arbeit seien vielfältig und ließen eine kritische Wertung erkennen. Die Resultate würden zahlreich auch im englischsprachigen Raum publiziert und auf internationalen Tagungen vorgetragen, so die Preis-Jury in ihrer Bewertung. Gegenwärtig unterrichtet Dr. Richter an der Universität in Port Moresby, Papua-Neuguinea.
Ein „summa cum laude“ auch für die Promotion von Dr. Peitz zum Thema „Metallorganische Untersuchungen zur katalytischen Selektivoligomerisierung von Ethylen mit Chromkomplexen“. Aus Ethylen werden jährlich viele Megatonnen von oligomeren, einfach ungesättigten Kohlenwasserstoffen auf katalytischem Wege erzeugt. Ein außerordentlich großes ökonomisches aber auch ökologisches Interesse besteht dahingehend, dass im Ergebnis der katalytischen Ethylenoligomerisierung möglichst selektiv Hexen oder Octen und höchstens geringe Beimengungen anderer Kohlenwasserstoffe gebildet werden, weil diese beiden Verbindungen die unmittelbaren Ausgangsstoffe für die Produktion vor allem von Kunststoffen, Tensiden und Schmierstoffen sind. Zurzeit befindet sich ein Verfahren der katalytischen Trimerisierung des Ethylens zu Hexen in der Phase einer technischen Überführung. Dr. Peitz hat sich in seiner experimentellen Dissertation damit befasst, Grundlagen für ein besseres Verständnis dieses komplizierten katalytischen Systems und dessen Weiterentwicklung zu erarbeiten. Die Gutachter anerkennen übereinstimmend seinen Ideenreichtum in seinen konzeptionellen Ansätzen wie auch bei der Durchführung der Arbeiten und bewerten seine Ergebnisse als exzellent. Dr. Peitz hat seine Dissertation im Leibniz-Institut für Katalyse/Rostock im Rahmen eines Graduiertenkollegs innerhalb von zwei Jahren erarbeitet. Er ist Mitautor von 21 Veröffentlichungen in teils hochkarätigen Zeitschriften, Mitinhaber von zwei Patenten und hat sich in zahlreichen Vorträgen hohe fachliche Anerkennung erworben.

Weitere Informationen zum Thema:

Universität Rostock, 01.07.2011
Phosphat, Primzahlen, Geschichte und Katalyse / Jungius-Förderpreise 2011 für exzellente Forschungen

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