Humboldt-Stipendiaten bereichern Forschung und Lehre an der FAU

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) begrüßt sechs neue Gast-Wissenschaftler

[Auf dem Campus, 26.01.2012] Die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) begrüßt sechs neue Humboldt-Stipendiaten aus vielen Teilen der Welt.
Alexander-von-Humboldt-Stipendien (AvH-Stipendien) werden nur hochqualifizierten Forscherinnen und Forschern in einem strengen Auswahlverfahren gewährt. Für die aufnehmende Universität ist eine solche Bewilligung sowohl ein erheblicher Gewinn als auch eine Auszeichnung, da die Stipendiaten ihre Gastgeber aussuchen können. Die Dauer der Gastaufenthalte liegt zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. In diesem Zeitraum führen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein selbst gewähltes Forschungsvorhaben in Kooperation mit ihren Gastgebern durch. Forschungs- und Lehrinhalte an der Universität werden dadurch ergänzt und erweitert; zum Teil bieten die Projekte der Stipendiaten Anknüpfungspunkte für „Bachelor“- und „Master“-Arbeiten.
So kommt Dr. Juan Pablo Montiel, seit Januar 2010 Assistenzprofessor an der „Universidad de los Andes“ in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota, im Februar 2012 für ein Jahr an den Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie von Prof. Dr. Hans Kudlich. Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte betreffen Strafrechtsdogmatik, Compliance und Strafrecht sowie Völkerstrafrecht. Dr. Montiel hat sich bereits mehrfach als Stipendiat verschiedener Institutionen in Deutschland aufgehalten, darunter in den Jahren 2006, 2007 und 2008 jeweils einige Monate lang am Lehrstuhl seines jetzigen Gastgebers in Erlangen. Im Jahr 2012 will er sich mit der „außerordentlichen Zurechnung“ im Strafrecht befassen. Dabei geht es um die strafrechtliche Haftung solcher Personen, denen ihr Verhalten zum Tatzeitpunkt aus irgendwelchen Gründen nicht strafrechtlich vorgeworfen werden kann, die aber den Zustand, der zur Unverantwortlichkeit führte, selbst herbeigeführt hatten.
Am Lehrstuhl für Multimediakommunikation und Signalverarbeitung von Prof. Dr. André Kaup werden zwei Stipendiaten erwartet. Prof. Dr. Jie Liang von der „Simon Fraser University“ in Burnaby, Kanada, widmet seinen sechsmonatigen Aufenthalt von Februar bis Juli 2012 dem Thema „Video Coding: Practical Design and Information-Theoretic Analysis“ und damit der Reduzierung der Daten, die zur Übertragung von Bildabfolgen erforderlich sind. Mit einem einjährigen Stipendium geht Dr. Guangtao Zhai von der „McMaster University“ in Hamilton, Kanada, ab April 2012 in Erlangen seinen Forschungen zum Thema „Understanding Perceptual Image Quality using Psychophysical Principles and a Nonlinear Dynamical Model“ nach. Zum Verständnis der Wahrnehmung von Bildqualität werden dabei einerseits Wechselwirkungen zwischen subjektivem Erleben und äußeren Reizen, andererseits komplexe mathematische Zusammenhänge herangezogen.
Als AvH-Stipendiatin am Institut für Zelluläre und Molekulare Physiologie wird Dr. Morag K. Mansley ab März 2012 bei Prof. Dr. Christoph Korbmacher ein zweijähriges Projekt bearbeiten. Ihre Doktorarbeit im Jahr 2010 an der University of Dundee (Schottland, UK) hatte sich bereits mit der Nieren- und Transportphysiologie befasst. Mit einem Postdoc-Stipendium der Bayerischen Forschungsstiftung hat sie 2011 Vorarbeiten für die jetzigen Forschungen geleistet. Sie betreffen molekularbiolegische Mechanismen, welche die Kochsalzausscheidung der Niere an die Aufnahme über die Nahrung anpassen. Im Detail geht es um die Steuerung eines bestimmten Ionenkanals in der Niere, des epithelialen Natriumkanals (ENaC), durch das Hormon Noradrenalin und andere Botenstoffe des sympathischen Nervensystems. Dahinter steht die Vermutung, dass eine übermäßige sympathische Aktivierung dieses Ionenkanals zur Entstehung des Bluthochdrucks beitragen kann. Es ist bekannt, dass die Regulation von ENaC eine wichtige Bedeutung für die Langzeitkontrolle des arteriellen Blutdrucks hat. Für ihre experimentellen Untersuchungen wird Dr. Mansley eine anspruchsvolle Kombination von biochemischen und elektrophysiologischen Methoden verwenden.
Ebenfalls ab März 2012 wird Dr. Stanislava Vodrazkova aus Prag unter der Leitung von Prof. Dr. Axel Munnecke für zwei Jahre die Fachgruppe Paläoumwelt am „GeoZentrum Nordbayern“ verstärken. Ihr Forschungsprojekt mit dem Titel „The Middle Devonian Kačák event: biostratigraphy, microfacies analysis and oxygen isotope analysis“ nimmt die Steuerungsmechanismen einer bislang kaum untersuchten Krise in der Erdgeschichte unter die Lupe. Spuren dieses Vorfalls vor etwa 390 Millionen Jahren finden sich u.a. in der zentralen Tschechischen Republik. Ein starker Abfall des Sauerstoffgehalts im Meerwasser ließ damals vermutlich viele Organismen absterben.
Bereits seit Dezember 2011 ist Prof. Dr. Sule Erten-Ela von der „Ägäis-Universität“ („Ege Üniversitesi“) in Izmir, Türkei, am Lehrstuhl für Organische Chemie II von Prof. Dr. Andreas Hirsch zu Gast. Dort bearbeitet sie ein Gebiet der Organischen Photovoltaik, in dem es darum geht, neue kohlenstoffreiche Moleküle herzustellen, die als Elektronenakzeptoren, aber auch als Elektronenleiter verwendet werden können. Prof. Erten-Ela, die auf synthetische Chemie spezialisiert ist, hat vor allem an der Universität von Madrid bereits umfangreiche Erfahrungen dazu gesammelt. Im Labor von Prof. Hirsch steht ihr insbesondere die dort ausgewiesene Expertise in der Chemie synthetischer Kohlenstoffallotrope zur Verfügung. In Erlangen spielt die Organische Photovoltaik u.a. im Exzellenzcluster „Engineering of Advanced Materials“ (EAM) eine große Rolle. Von den Stipendien, welche die Humboldt-Stiftung an Postdoktoranden und erfahrene Wissenschaftler vergibt, profitieren beide Teile der internationalen Kooperation demnach gleichermaßen.

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