Generation Unsicherheit 2021 im Fokus des 10. Zukunftskongresses des 2b AHEAD ThinkTanks

Innovative Geschäftsmodelle für eine Welt im Veränderungsstress

Impressionen von AdC-Herausgeber Dipl.-Ing. Carsten J. Pinnow

[Auf dem Campus, 19.06.2011] Zum „10. Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks“ versammelten sich am 14. und 15. Juni 2011 rund 200 Teilnehmer im Schlosspark Destedt bei Braunschweig:
Dort begrüßte sie in einem eher ungewöhnlichen Ambiente Trendforscher Sven Gábor Jánszky, zugleich Geschäftsführer der 2b AHEAD ThinkTank GmbH. Das Arrangement der Veranstaltungsortes hob sich angenehm und bewusst kommunikativ von der sonst für Konferenzen üblichen Sitzplatzanordnung ab – unter einem Zeltdach wurden Stühle so angeordnet, dass interessante Gespräche in alle Richtungen möglich waren, die Moderation von unterschiedlichen Ort aus durchgeführt werden konnte und Beiträge der Redner nicht durchgehend von einem Rednerpult aus erfolgten.

Zukunftsszenario 2021 im Fokus
Das nunmehr bereits zehnte Treffen innovativer Köpfe der deutschen Wirtschaft widmete sich dem Entwurf von Zukunftsszenarien und Strategieempfehlungen für die kommenden zehn Jahre; die Wolfsburg AG und die Autovision GmbH traten dabei als Premium-Sponsoren auf, die Stadt Braunschweig Beteiligungen GmbH und die Volkswagen AG als Co-Sponsoren.

Sven Gábor Jánszky, Initiator 2b Ahead Thinktank, Foto: Carsten Pinnow

Sven Gábor Jánszky, Initiator 2b Ahead Thinktank, Foto: Carsten Pinnow

In seiner Eröffnungsansprache betonte Jánszky den Anspruch und die Grundsätze der Veranstaltung – gemeinsam solle ein Zukunftsszenario 2021 entwickelt werden, wobei die Teilnehmer keine „Einbahnstraßen-Beschallung“ zu erwarten hätten. Vielmehr sollte und dürfte beim „innovativsten Think Tank der Branche“ gestritten und versöhnt, visioniert und provoziert, gelacht und konzipiert werden. Der Reiz der Veranstaltung liege in der Kombination von außergewöhnlichen Themen und außergewöhnlichen Menschen, so Jánszky – in dieser Form sei sie nur beim „Zukunftskongress des 2b AHEAD ThinkTanks“ zu finden.

Vertrauen und Unsicherheit
Jánszky hob hervor, dass das Thema „Vertrauen“ in einer gefühlt immer unsichereren Welt ein zentraler Aspekt der Veranstaltung sein werde. Unter „Unsicherheit“ sei dabei zu verstehen, dass das Leben der heute im Arbeitsleben stehenden Generationen immer weniger prognostizierbar sei. „Wo wird man in fünf Jahren wohnen und arbeiten?“ – die mit dieser Frage verbundene Unwägbarkeit trage zu dieser gefühlten Unsicherheit bei. Daneben zeichneten sich Veränderungen ab, sowohl im Bereich der Technik wie aber auch in der Geopolitik. Zentrale Fragen des Kongresses würden daher sein:

  • „Werden wir Maschinen mehr vertrauen als Menschen?“ und
  • „Werden alle Unternehmen in Zukunft chinesisch?“.

Im Eröffnungs-Panel mit dem Titel „Wie Unsicherheit unsere Welt verändert“ stellten die Redner die Auswirkungen von Unsicherheit und Anforderungen an Kirche, Medien und Politik vor:

  • Prof. Dr. Friedrich Weber, Landesbischof der evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, führte aus, dass in Zeiten steigender Mobilität und abnehmender Plausibilität von der Kirche mehr Engagement verlangt werde – diese bilde gerade für beruflich im Ausland tätige Menschen eine „Heimat“.
  • Christoph Keese, Konzerngeschäftsführer Public Affairs, Axel Springer  AG, unterstrich die massiven Umbrüche im Selbstverständnis der Medienbranche. Medien stünden nicht mehr im Zentrum der Informationsvermittlung, sondern an der Peripherie. Ein Autor sei heutzutage problemlos in der Lage, ohne einen Vermittler Informationen zu verbreiten. Die Aufgabe der Medien sei zukünftig vielmehr die eines Kurators für Information – die Auswahl wichtiger Meldungen und deren Einordnung. Bei derzeitigen Tageszeitungen seien dies etwa 380 Meldungen am Tag. Es gebe derzeit zwei parallel laufende Trends, zum einen die „Atomisierung der Medien“ und andererseits den Wunsch nach einem gemeinsamen Erleben – gewissermaßen nach einem „digitalen Lagerfeuer“.
  • Die Politik befinde sich gleichermaßen in einem Veränderungsdruck; in zehn Jahren wird nach Ansicht von Anke Dormscheit-Berg, Vorstand opengov.me, „Open Goverment“ realisiert sein – ungeachtet dessen, ob Politik und Verwaltung damit einverstanden sind oder nicht. Die Macht und Verantwortung des Einzelnen habe zugenommen und werde noch weiter zunehmen, Belügen werde schwieriger, „Leaking“ sei in Mode, Politiker würden zu wahren Volksvertretern anstatt „Volksersetzern“ und die Republik werde tatsächlich eine Demokratie werden – die „Transparenz von unten“ werde diese Entwicklung schlicht erzwingen.

Die umstrittene Rolle der Roboter
In einer Keynote „Wieso wir Maschinen mehr vertrauen werden als Menschen“ stellte David Levy, Autor der Buches „Love & Sex with Robots“, seine Thesen vor.
Er zeigte anhand des Beispiels Südkorea, wo nach Wunsch der Regierung bis zum Jahr 2020 in jedem Haushalt ein Roboter vorhanden sein solle, wie Roboter unser Leben in Zukunft mutmaßlich beeinflussen werden. Als Helfer im Haushalt und für pflegebedürftige Menschen würden Roboter in naher Zukunft unser Leben grundlegend verändern, auf lange Sicht von 40 bis 50 Jahren als autonome Systeme gar ausreichend Emotionen haben, um von Menschen auch geliebt werden zu können.
Er warf dabei auch die Frage auf, wie mit eventuellen Störfällen und Unfällen umgegangen werden soll – ob autonome Roboter mit der Fähigkeit, Emotionen haben zu können und ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, möglicherweise „strafmündig“ sein könnten, und ob diese Art Roboter gewissermaßen eine Art eigene Spezies darstellen werden.

Das Empfinden für Bedeutsamkeit
In der „Strategiearena“ mit dem Titel „Neue Kundenbedürfnisse und neue Produkte für die ‚Ökonomie der Unsicherheit‘“ erläuterte Prof. Dr. Gerald Hüther, Leiter der Abteilung für neurobiologische Grundlagenforschung an der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen, die Veränderungen im Gehirn des Menschen im Umfeld von Unsicherheit.
Er betonte – anknüpfend an den Vortrag von David Levy – den wesentlichen Unterschied zwischen Robotern und Menschen. Seiner Ansicht nach hätten Roboter die wesentliche Fähigkeit nicht und würden diese auch nie entwickeln können – nämlich das „Empfinden für Bedeutsamkeit“. Diese Fähigkeit sei auch durch sehr ausgeklügelte Algorithmen nicht nachzubilden. Das Gehirn des Menschen komme in Aufruhr, wenn das Leben langweilig werde und auch bei starker Verunsicherung, und „fahre runter“ in die in der Kindheit geprägten Muster oder aktiviere sogar das archaische Notfallsystem, welches lediglich drei Optionen kenne – Angriff, Flucht oder Erstarrung. Dieses Verhalten sei derzeit überall auffällig zu beobachten.
Das Gehirn sei als Problemlösungsinstrument konzipiert, und es sei wichtig für jeden Einzelnen Strategien zu entwickeln, die der Verunsicherung entgegenwirkten. Vertrauen sei dabei der entscheidende Faktor. Der Unsicherheit ließe sich dadurch begegnen, dass man Kompetenz zurückgewinne und Vertrauensressourcen aufbaue. Dabei sei es wichtig, Orientierung zu haben, ein Bewusstsein von Sinnhaftigkeit auszuprägen und zu wissen wohin man wolle. Unsicherheit zwinge das Gehirn zur Erzeugung von Sicherheit. Trends würden sich dadurch verlagern. In einer „Welt ohne Kinder“ seien Kinder von besonderer Bedeutung.
Eine wesentliche Strategie zur Bewältigung von Unsicherheit sei Begeisterung zu wecken, sich für etwas einzusetzen, denn Begeisterung sorge für die Ausschüttung von Botenstoffen, die wie ein „Dünger im Gehirn“ wirkten. Schulen und Unternehmen hätten diese Tatsache leider bisher nur unzureichend verstanden.

Produktentwicklungen für die Ökonomie der Unsicherheit
Tim Wittenbecher, CEO von Bally Wulff, wie auch Ned Wiley, Managing Director, Axel Springer Digital TV Guide, erläuterten Strategien zur Produktentwicklungen für die Ökonomie der Unsicherheit.
Unternehmen seien heute gut beraten, für Adaptivität ihrer Produkte zu sorgen, um auf sich ändernde Trends und ein sich stark verändertes Marktumfeld erfolgreich reagieren zu können – und es sei wünschenswert, auch immer einen „Plan B“ für den Notfall in der Tasche zu haben.

Mensch, Maschine und die Frage der Verantwortung
In der Keynote „Wie Technologie 2021 dem Menschen seine Entscheidungen abnimmt“ wurde skizziert, wie Technologie Entscheidungen des Menschen unterstützt, aber ihm keinesfalls Entscheidungen abnimmt.
Gut geeignet seien digitale Helfer, um die Flut an Informationen zu ordnen, zu bewerten und Bedeutsames auszufiltern. Trotz der Weiterentwicklung von digitalen Assistenzsystemen müsse letztlich der Mensch die Verantwortung für Entscheidungen selbst übernehmen, Ergebnisse hinterfragen und sich der Tatsache bewusst sein, dass aus falschen Annahmen falsche Schlüsse gezogen werden könnten.

Die Ambivalenz der Sicherheitstechnologien
Die Strategiearena „Wie Zukunftstechnologien Sicherheit schaffen“ beschäftige sich mit der unterschiedlichen Wahrnehmung der Funktion von Technik. Während Technologie für die Einen ein Rettungsanker ist, der es alleine schafft die Komplexität der Welt zu beherrschen, ist sie für die Anderen des Übels Kern. Interessante, komplexe Fragen wurden hierzu aufgeworfen –

  • „Wie werden wir uns im Kontinuum von Selbstbestimmung und Fremdbestimmung verhalten?“,
  • „Wie wird der Umgang mit Daten und Privatsphäre sein?“ und
  • „Wenn im Jahr 2021 wesentliche Entscheidungen durch Prognostikverfahren im Zusammenspiel mit Assistenzsystemen getroffen werden … wer hat dann die Verantwortung für die Auswirkungen?“.

Ein zentraler Aspekt dabei war die Erörterung, welche Entscheidungen technische Assistenzsysteme dem Menschen abnehmen können bzw. sollen. Gerade in komplexen Entscheidungssituationen müsse der Mensch die Entscheidung selbst treffen; es dürften keine Abhängigkeiten entstehen, digitale Helfer sollten als Assistenten dienen und den Menschen nicht entmündigen.
Ein ambivalenter Fall war das von Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauser vorgestellte sogenannte „Geofencing“ – also je nach Sichtweise eine elektronische Fußfessel oder aber ein Assistenzsystem, das z.B. Demenzkranken ein längeres selbstbestimmtes Leben ermöglichen kann. Dabei seien Datenschutz und Privatsphäre auf der einen Seite, die körperliche Unversehrtheit und Sicherheit auf der anderen eben zwei Aspekte, die miteinander konkurrierten. Es sei eine Entscheidung jedes Einzelnen, wem man sich z.B. als Demenzkranker mehr anvertrauen möchte – „Pflegeheim vs. Technik“.

Preisverleihungen im Braunschweiger Altstadtrathaus
Am Abend des ersten Tages wurden im Rahmen des sogenannten „Awardabends“ in der „Dörnse“, dem traditionellen Altstadtrathaus Braunschweigs, der durch ein Grußwort von Oberbürgermeister Dr. Gert Hofmann eröffnet wurde, zwei Preise verliehen:

  • Den „2b AHEAD Future Award“ erhielt Andreas Spieß aus Berlin, der zuvor im Rahmen des „Elevator Pitch“ den „Solarkiosk“ präsentiert hatte – ein innovatives Produkt, das neue „saubere“ Energielösungen in die ländlichen und wenig entwickelten Gebiete der Welt bringen soll.
  • Der „Autovision Innovation Award“ ging an Tan Le, die mit ihrer Firma Emotiv Systems einen „EPOC-Headset“ entwickelt hat, mit dem sich Gedanken lesen und damit Maschinen steuern lassen.

Szenario „Lebenswelten 2021“
Ein „Kreativ-Warm-up“ eröffnete den zweiten Konferenztag unter dem Motto „The Dark Side of Technology“. Idee dieser ungewöhnlichen Diskussionsmethode war es, gemeinsam mit den Kongressteilnehmern das Szenario „Lebenswelten 2021“ zu entwickeln.
Neue Technologien erobern den Alltag oder verdrängen ältere Technologien. So wurde etwa aus der von Pferden gezogenen Kutsche das motorgetriebene Automobil, aus der Schellackplatte die Vinylschallplatte und schließlich in der digitalen Form zunächst die CD und heute der MP3-Datenträger – übrigens ein Thema auf einem der zurückliegenden Kongresse.
Mit jeder technologischen Entwicklung gehen auch immer Ängste und Befürchtungen bei Skeptikern einher, befürchten sie doch die dunkle „Seite der Macht“. Interessante Aspekte der Diskussion waren

  • „Gefahr für Mensch und Menschlichkeit!“,
  • „Welche Gefahren drohen wirklich durch technologische Entwicklungen?“,
  • „Wie sind Gefahren gegebenenfalls zu verhindern? Und was bedeutet dies für unsere Gesellschaft?“.

2b Ahead Zukunftskongrep 2011 im Schloßpark Destedt, Foto: Carsten Pinnow  2b Ahead Zukunftskongrep 2011 im Schloßpark Destedt, Foto: Carsten Pinnow

2b Ahead Zukunftskongrep 2011 im Schloßpark Destedt, Foto: Carsten Pinnow 2b Ahead Zukunftskongrep 2011 im Schloßpark Destedt, Foto: Carsten Pinnow

Innovativer Regelbruch im „World Café“
Die Keynote von  Sven Gábor Jánszky „Wenn Unsicherheit zur Chance wird … versuchen Sie jeden Tag gefeuert zu werden“ war der Auftakt zum sogenannten „World Café“. Jánszky hat die interessantesten Regelbrecher der Wirtschaft über ein Jahr beobachtet. Er unterschied dabei zwei Formen der Innovation,

  • die starke Innovation, die völlig neue Technologien bzw. Geschäftsmodelle hervorbringt, und
  • die schwache Innovation, aus der lediglich Detailverbesserungen für bestehende Technologien und Geschäftsmodelle hervorgehen.

Als ein Beispiel eines „Rulebreakers“ wurde Horst Rahe vorgestellt, der mit der Idee der „AIDA“-Clubschiffe den Kreuzfahrtmarkt nachhaltig verändert hat.
Der Reiz der „World Cafés“ lag in der Diskussion der Frage, welche Voraussetzungen Menschen als „Rulebreaker“ mitbringen müssen und auf welche Bedingungen sie in Unternehmen zur Ermöglichung starker Innovationen treffen sollten.
Es ist eine vom „2b AHEAD ThinkTank“ häufig genutzte Kreativmethode, bei der man davon ausgeht, dass die größte Expertise des Kongresses nicht bei den Referenten, sondern bei den Teilnehmern liegt, die durchgehend Innovationschefs ihrer Branchen sind. Diese geballte Erfahrung soll in einer Kaffeehausatmosphäre, in der die Teilnehmer an runden Tischen sitzen, genutzt und geteilt werden. Ohne einen zentralen Moderator werden an diesen Tischen die Fragestellungen des Panels diskutiert und sodann Stichpunkte, Ergebnisse bzw. Erkenntnisse auf den Tischdecken mit Filzstiften notiert. In bestimmten Zeitabständen findet ein Wechsel der Tischgesellschaften statt, wobei die beim ersten Durchgang bestimmten „Gastgeber“ in den folgenden Durchgängen neue Gäste am Tisch begrüßen, das zuvor Besprochene kurz vortragen und insgesamt für eine kultivierte und angenehme Atmosphäre Sorge tragen. Inspiriert werden die Teilnehmer zwischendurch durch Impulsgeber, die in zehn Minuten in Thesenform zu einem Thema vortragen. PowerPoint-Folien sind hierbei ausdrücklich nicht gestattet. „Inspiratoren“ waren Jens Redmer, New Buisiness Development, Google, zum Thema „Wie aus Unsicherheit eine neue Innovationskultur entsteht“ und Prof. Dr. Karlheinz Brandenburg, Fraunhofer IDMT, zum Thema „Wieso Innovation in Zeiten der Unsicherheit eine persönliche Verantwortung ist“.
Abweichend vom üblichen Vorgehen, bei der alle Tischgastgeber gemeinsam die gewonnen Ergebnisse als „Pflichtenheft der Innovationen“ vortragen, stellte Stefan Jenzowky, Senior Vice President & Head of Multimedia, Siemens AG, zehn zentrale Fragen vor, die für jeden Teilnehmer persönlich klären sollten, inwieweit dieser „Rulebreaker“ und damit Innovator ist.

Chinas Wiederaufstieg
In der Keynote „How to serve the Chinese? … oder: Welche Rolle deutsche Unternehmen 2021 in einer von China geprägten Welt spielen“, gehalten von Prof. Dr. Mei Zhaorong, Botschafter der Volksrepublik China in Deutschland a.D., wurde die gegenwärtige wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation und deren historische Entwicklung dargestellt sowie ein Szenario für das Verhältnis Chinas zu Europa mit speziellem Fokus auf Deutschland gezeichnet.
Von westlichen Medien weitgehend unbeachtet stelle sich Chinas wirtschaftlicher Aufstieg präziser als ein „Wiederaufstieg“ dar – erwirtschaftete China doch bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts 25,9 Prozent und 1820 nahezu ein Drittel des „BIP“ der Welt. China habe bedingt durch den Ersten Opiumkrieg leidvoll erfahren müssen, was wirtschaftlicher Abstieg bedeutet.
Mit den Reformen in China sei seit 1971 ein Wachstum von ungefähr zehn Prozent pro Jahr zu verzeichnen, was mit ein Grund dafür sei, dass China derzeit über die größten Devisenreserven der Welt verfüge. Man habe intensiv die Erfahrungen der westlichen Welt beobachtet und werde diese, im Einklang mit nationalen Gegebenheiten, zur Anwendung bringen. Erfreulicherweise sei es gelungen mit sieben Prozent der weltweiten Ackerfläche 22 Prozent der Weltbevölkerung zu ernähren. Diese Erfolge sorgten allerdings beim chinesischen Volk für die Erwartung eines stetigen Wachstums des Wohlstandes.
Es gebe bei allen Erfolgen aber sehr unterschiedliche Entwicklungen in China. Während die Küstenregionen sehr weit entwickelt seien, gebe es in den ländlichen Regionen immer noch über 140 Millionen Einwohner, denen jeweils weniger als ein US-Dollar pro Tag zur Verfügung stehe. Der Prozess der Industrialisierung habe in diesen Gebieten erst angefangen.
Es werde zudem erwartet, dass noch etwa 300 Millionen Menschen in die Städte ziehen und somit gewaltige Herausforderungen anstehen, für ausreichende Arbeitsplätze aber auch Infrastruktur zu sorgen.
Auf die Frage, ob Chinas Aufstieg Chance oder Risiko sei, ließen sich folgende Fakten feststellen: Eine erfolgreiche Entwicklung Chinas sorge auch für eine positive Entwicklung in Deutschland und Europa. So lägen derzeit die Importe Chinas aus Europa bei über 600 Milliarden Euro und stiegen nach derzeitigen Prognosen auf über 800 Milliarden Euro pro Jahr.
Chinas Entwicklungsziele der nächste Jahre und Jahrzehnte sei die beschleunigte Entwicklung mit Fokus auf das Inland, die Optimierung der Industriekultur, Förderung der „grünen“ Technologie, Ausbau der Sozialwesens und die kräftige Förderung der kulturellen Entwicklung. Besonders im Fokus seien dabei die kleinen und mittleren Unternehmen in der Mitte und im Westen Chinas.
Die Welt stehe vor Herausforderungen, die nur durch Kooperation zu bestehen seien, so Prof. Zhaorong. Die Denkweise der Regierungen der Welt müsse dem Rechnung tragen. Aus seiner Sicht sei für ein gedeihliches Zusammenleben gegenseitiger Respekt notwendig sowie die Anerkennung und Akzeptanz der Vielfalt der Welt. Keinesfalls dürften kurzfristige wahltaktische Manöver Maxime des Handels sein. Für China seien Respekt der Kerninteressen, das Entwicklungsrecht und die staatliche Integrität von besonderer Bedeutung.
Insbesondere für deutsche Unternehmen böten sich indes gute Möglichkeiten, an der Entwicklung zu partizipieren. Innovation müsse für Unternehmen weiterhin im Fokus stehen, dann sei eine einseitige Angst vor den geringeren Selbstkosten chinesischer Unternehmen unbegründet. Unternehmen dürften allerdings nicht darauf vertrauen „auf dem ruhigen Kissen schlafen zu können…“, schließlich bedeute Marktwirtschaft nach westlicher Lesart eben auch Wettbewerb.

Schule als Bildungs- oder Beziehungsverhinderungsanstalt
Ein weiterer Höhepunkte des zweiten Tages war die „Inspiratorin“ Margret Rasfeld, Leiterin der Evangelischen Schule Berlin Zentrum. Mit der vor vier Jahren gegründeten Einrichtung geht sie neue Wege in der Bildung. Ihr Thema „Warum Hierarchien verschwinden und neue Führungskompetenzen nötig werden“ zeigte auf, dass sich die Gesellschaft gerade im Bereich der Bildung grundsätzlich neu orientieren muss. Die Dienstleistungsgesellschaft sei jetzt und erst recht zukünftig durch verstärkte Automatisierung gravierenden Veränderungen unterworfen. Schule produziere derzeit fast ausschließlich „Pflichterfüller“ und verfolge einen innovationsfeindlichen Geist. Diese Prägung sorge dafür, dass Schulen quasi „Beziehungsverhinderungsanstalten“ seien, anstatt beziehungsstiftend zu wirken.
Mit der „Schule der Zukunft“ sei sie angetreten, den Kernauftrag des Schulgesetzes, Kinder zu mutigen und kritischen Menschen zu entwickeln, zu erfüllen und Gelegenheitsstrukturen für Engagement zu eröffnen. Das bundesweit beachtete Reformprogramm setzte sie gemeinsam mit einem engagierten Team um. In „Schulfächern“ wie Verantwortung, Herausforderung und Zukunft engagieren sich die Schüler zwei Jahre lang im Gemeinwesen, bestehen dreimal eine dreiwöchige Herausforderung außerhalb von Berlin. Besonderheit der Evangelischen Schule Berlin Zentrum sei das Fortbildungsmodul jeweils montags, in dem schon 13-jährige Schüler Vorträge halten und stark nachgefragte Fort- und Weiterbildungen für Schulleiter und Lehrer eigenständig durchführen. Sie übernehmen somit frühzeitig Verantwortung und agieren als Experten in eigener Sache.
Rasfelds Visitenkarte ist die „MUTkarte“, auf der „MUT zum Träumen! MUT zur Verantwortung!“ zu lesen ist, die jeder Schüler der Schule zur Begrüßung erhält.

Der Gipfel der Extremisten zum Ausklang
In dem „Der Gipfel der Extremisten“ titulierten Abschlusspanel nahm der Chef-Entwickler von BitcoinJS Stefan Thomas Stellung zur Internetwährung „Bitcoin“, deren Besonderheit die dezentrale Struktur ist und die wie kein anderes Thema in den letzten Zeit hohe Wellen geschlagen hat.
Ferner stand die Frage im Raum, wie eine „Welt ohne Geheimnisse“ funktioniert. Ihre Thesen dazu äußerten die Bloggerin Julia Schramm und der Designer Keiichi Matsuda aus London.

2bAHEADThinkTank auf YouTube, 18.06.2011
[youtube width=”640″ height=”390″]http://www.youtube.com/watch?v=1eVwIzBYQMw&feature=player_detailpage[/youtube]
Extremisten-Panel Teil 1

Weitere Informationen zum Thema:

2b.AHEAD THINK!TANK, 18.06.2011
“Extremisten” im Gespräch

datensicherheit.de, 18.06.2011
Kompetenter Umgang mit Herausforderungen: Bildung als Schlüssel zur Sicherheit / Herausgeber Carsten Pinnow im Interview mit Sven Gábor Jánszky am Rande des “10. Zukunftskongresses des 2b AHEAD ThinkTanks”

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