Friedenspreis für russischen Ingenieur: In der Nacht vom 25. zum 26. September 1983 den Weltkrieg verhindert

Stanislaw Petrow erhält „4. Dresden-Preis“ am 17. Februar 2013 in der Semperoper

[Auf dem Campus, 15.02.2013] Er war sowjetischer Offizier und zugleich Ingenieur – diese Kombination hat wohl die Menschheit im Heißen Herbst 1983, einem der Höhepunkte des Kalten Kriegs zwischen NATO und Warschauer Pakt, vor der Selbstauslöschung aus Versehen bewahrt. Lange blieb diese Großtat unbekannt. Erst sehr spät wird Stanislaw Petrow für sein überlegtes, mutiges Verhalten geehrt. Petrow war der verantwortliche Diensthabende im Luftüberwachungszentrum nahe Moskau, als in der Nacht vom 25. zum 26. September 1983 ein Computer den vermeintlichen Abschuss von US-amerikanischen Raketen Richtung Sowjetunion anzeigte – an ihm war es, diese Meldung zu bewerten… Dass er mit Anstand und Verstand das Abgleiten der im Kalten Krieg verbissenen Blocksysteme in einen heißen, mit Kernwaffen geführten Dritten Weltkrieg verhinderte, soll nun in Dresden gewürdigt werden:
Der Journalist, Buchautor und Fernsehmoderator Claus Kleber wird am 17. Februar 2013 in der Semperoper in Dresden die Laudatio auf Petrow halten, der mit der internationalen Friedensauszeichnung „4. Dresden-Preis“ geehrt wird. Kleber ist Moderator des „ZDF heute-journals“ und Autor mehrerer Bücher. Im Jahr 2009 wurde erstmals sein dreiteiliger Film „Die Bombe“ ausgestrahlt, der die nukleare Bedrohung der Welt zum Thema hat. Er habe nicht schuld am Dritten Weltkrieg sein wollen, so Petrow später. Deshalb meldete er dem Generalstab das Ereignis als Fehlalarm, obwohl die Chancen 50 zu 50 standen, dass es sich um einen Irrtum oder Ernstfall handelte. Niemals sei die Welt der atomaren Vernichtung näher gewesen als in dieser Nacht, sagte Bruce Blair, US-Abrüstungsexperte, Co-Gründer von Global Zero und Chef des World Security Institute. Die Geschichte wurde erst Jahre später öffentlich. Seither wird Petrow als „der Mann, der die Welt rettete“ gefeiert.
Die Veranstaltung wird moderiert vom ehemaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum. Seit der „Dresden-Preis“ 2010 ein erstes Mal vergeben wurde, ist es Tradition, dass die Bronzeskulptur von einem Dresdner überreicht wird – in diesem Jahr wird dies Kristin Alschner tun. Sie gehöre zu der Generation, die es ohne Stanislaw Petrows Tat vor 30 Jahren vielleicht nie gegeben hätte, betont die 25-jährige. Die Studentin engagiert sich in der „Save-me-Kampagne“, die sich für Flüchtlinge einsetzt. Nicht jeder könne wie Petrow die Welt retten, aber jeder sollte versuchen, etwas zu tun, zum Beispiel für Flüchtlinge, die keine eigene Stimme hätten.
Für den musikalischen Teil des Festaktes zur Verleihung des Friedenspreises sorgt die junge russische Band „Skazka Orchestra“ aus Berlin mit Valentin Butt, der als einer der besten Akkordeonspieler Europas gilt und unter anderem mit den Berliner Philharmonikern spielt. Ihre Musik ist eine Mischung aus Ska, Jazz, Klezmer, Reggae und russischer Folklore, die zu einer ganz besonderen melancholischen bis wilden Variante der neuen russischen Musik verschmelzen, die in Deutschland zum Kult wurde. Die jungen Musiker wollen für Petrow auch ein berühmtes russisches Friedenslied spielen.
Das Schicksal Dresdens als Mahnung verstehend, würdigt der von der Organisation Friends of Dresden Deutschland ausgelobte Preis außergewöhnliche Leistungen herausragender Persönlichkeiten, die vor allem präventiv wirken und Eskalationen verhindern helfen. Zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens einen Friedenspreis mit dem Namen der Stadt zu vergeben, sei auch ein Zeichen gegen die versuchte Vereinnahmung des Datums durch Rechtsradikale. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis, gestiftet von der Klaus Tschira Stiftung Heidelberg sowie der Organisation Friends of Dresden New York, wird jährlich in der Semperoper vergeben. Erster Preisträger war im Jahr 2010 der Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow, dem der Preis für sein Engagement für die atomare Abrüstung in den 1980er-Jahren verliehen wurde. Im Jahr 2011 wurde Daniel Barenboims beispielhafter Einsatz für einen Dialog im Nahen Osten geehrt. Im Februar 2012 erhielt der Kriegsfotograf James Nachtwey den „Dresden-Preis“. Die Preisverleihung ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Organisation Friends of Dresden Deutschland und der Semperoper Dresden.

Verleihung des 4. Internationalen Friedenspreises „Dresden-Preis“ an Stanislaw Petrow
17. Februar 2013 um 11 Uhr
Semperoper Dresden
Eintrittskarten sind zum Preis von fünf Euro bei der Semperoper erhältlich.

Weitere Informationen zum Thema:

Semperoper Dresden
Verleihung des 4. Internationalen Friedenspreises »Dresden-Preis«

Friends of Dresden e.V.
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