Campus Charlottenburg Fest 2012 widmete sich der Ästhetik der Bewegung

Das Thema Bewegung als Aufhänger für die Frage, ob Techniker auch Künstler und Künstler auch Techniker sein können…

[Auf dem Campus, 26.10.2012] Am 23. Oktober 2012 feierten die Technische Universität Berlin (TUB) und die Universität der Künste Berlin (UdK) das „Campus Charlottenburg Fest“ im TUB-Gebäude W, Halle „Konstruktion und Maschinensysteme“, Straße des 17. Juni 144 und 144A. Der Bezirksbürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinhard Naumann, begrüßte die Teilnehmer und bekundete seine Freude über die gemeinsamen Aktivitäten der TUB und der UdK. Die Potenziale des Standorts seien indes noch längst nicht ausgeschöpft. Er warf die Fragen auf, wie einerseits die hiesigen „Schätze“ der universitären Landschaft in die Stadt hinein wirken könnten und wie andererseits der Bezirk mit seinen rund 320.000 Einwohnern synergetisch auf die dortigen wissenschaftlichen Einrichtungen einwirken könnte… Naumann dankte für die bisherige „gute Kooperation“.
Prof. Dr.-Ing. Henning Meyer, Dekan der Fakultät Verkehrs- und Maschinensysteme der TUB und gastgebender Hausherr des Festes, erklärte in seiner Impulsansprache, dass das „Campus Charlottenburg Fest“ gewissermaßen eine Art Ersatz für die bisher noch nicht erfolgte Einweihungsfeier der 2008 bezogenen Halle sei. Er beklagte die heutige weitgehende „Maschinenbaulosigkeit“ im Berliner Stadtbild, betonte aber, dass es trotzdem immer noch Industrie gebe und die Anzahl der Bewerber für sich spreche – sie hätten sechsmal mehr Interessenten als Studienplätze für den Maschinenbau. Professor Meyer griff abschließend das Motto des Festes – „Die Ästhetik der Bewegung“ – auf und verwies auf die Maschinen-Definition in der EU-Maschinenrichtlinie, der zufolge unter einer „Maschine“ eine „mit einem anderen Antriebssystem als der unmittelbar eingesetzten menschlichen oder tierischen Kraft ausgestattete oder dafür vorgesehene Gesamtheit miteinander verbundener Teile oder Vorrichtungen, von denen mindestens eines bzw. eine beweglich ist und die für eine bestimmte Anwendung zusammengefügt sind,“ zu verstehen sei… Es gehe also um den Aspekt der Bewegung. So gab er der sich anschließenden Podiumsdiskussion die Fragestellung mit auf den Weg, ob denn Techniker künstlerisch und Künstler technisch tätig sein könnten.

Abbildung: Technische Universität Berlin

Abbildung: Technische Universität Berlin

Synergie: Technik-Kunst-Gesellschaft auf dem Campus Charlottenburg

Podiumsdiskussion „Die Ästhetik der Bewegung“

Unter der Moderation von Prof. Dr.-Ing. Christoph Gengnagel diskutierten Prof. Dr.-Ing. Henning Meyer, Prof. Dr.-Ing. Dietmar Göhlich, Prof. Kora Kimpel, Prof. Nik Haffner und Prof. Dr. Marc Kraft.
UdK-Professorin Kimpel beschäftigt sich mit den Digitalen Medien; diese dienen der Informationsvisualisierung auf kleinem Raum – so gehe es etwa bei Videospielen auch um die Frage der Ästhetik der Bewegungssteuerung (insbesonderer erwachsener Spieler), etwa bei der „Kinect“ zur „Xbox“-Steuerung oder bei der „Wii-Konsole“…
TU-Professor Göhlich war als Entwickler in der PKW-Industrie tätig; seit 2010 wirkt er als Produktentwickler in der Mechatronic. Er warf die Frage auf, ob eine Gleichförmigkeit der Bewegung nicht auch Langeweile generieren könne – auch ruckartige Bewegungen könnten ästhetisch sein, zudem stünden sie für Präzision.
Eine Bewegung habe nicht allein eine technische Funktion, sondern sie könne für Techniker durchaus eine ästhetisch ansprechende Wirkung haben, betonte TU-Professor Meyer. Er verstehe eben unter Gleichförmigkeit eine Ruckfreiheit; diese vermeide Beschleunigungsstöße und diene somit auch der Dauerfestigkeit des Materials und somit der Produktlebensdauer.
UdK-Professor Haffner widmet sich dem zeitgenössischen Tanz und der Choreographie. Selbst bei Improvisationstechniken gehe es um Regeln für Bewegungsabläufe, um eine fragende bzw. fordernde Herangehensweise an Bewegungen: „Was, wenn..?“ Dabei spiele auch die Frage der Übertragung bzw. des Austauschs mit anderen Medien eine Rolle. Sind Abläufe „lesbar“, könne man von „Ästhetik“ sprechen.
TU-Professor Kraft befasst sich mit biomedizinischer Technik. Auf seinem Gebiet spielten die Bewegungsabläufe von Behinderten eine große Rolle zur Optimierung der Prothesen. Es sei dabei schon eine Frage der Ästhetik bzw. Kosmetik, wie etwa das Gangbild eines Amputierten auf sein Umfeld wirkt. Die angestrebte Harmonie der Bewegung aber habe durchaus auch einen medizinischen Aspekt, nämlich die möglichst geringe Abnutzung noch gesunder Gelenke durch ungünstigen Kraftangriff. Kräfte- und Momentenmessungen bei Amputierten hätten übrigens gezeigt, dass das Gefühl der Beobachtung für Behinderte ausschlaggebend für den Bewegungsablauf sei – unter Beobachtung finde quasi ein „Schaulaufen“ statt, wolle man möglich unauffällig auftreten…

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion bot UdK-Studentin Lee Meir die sich noch im Entwicklungsstadium befindliche Performance „A beginning of a dance with Bach“ dar. Sodann nahmen die Teilnehmer bei einem Rundgang durch die Maschinenhalle das funktionstüchtige und in Betrieb gesetzte 1:2-Modell einer „Burrell“-Straßenlokomotive, ein Triebwerk einer Boeing 717, eine Elektronenstrahlanlage sowie den „Schütteltraktor“ (Simulator) in Augenschein.

Weitere Informationen zum Thema:

Campus Charlottenburg
The art of ideas

hybrid plattform
hybrid-plattform.org ist Netzwerk und transdiziplinäres Projektlabor für Grenzgänger und Querdenker…

Amtsblatt der Europäischen Union, 09.06.2006
RICHTLINIE 2006/42/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 17. Mai 2006 über Maschinen und zur Änderung der Richtlinie 95/16/EG (Neufassung)

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