Begeisterung für Licht: Von der Antike bis in das 21. Jahrhundert

Aufruf für ein Lichtfestival mit Bürgerbeteiligung zur Überwindung von Kiezgrenzen

[Auf dem Campus, 21.11.2016] Dr. Manfred Uhlitz, Vorsitzender des Vereins für die Geschichte Berlins (VfdGB), übernahm die Einleitung und Moderation des „16. IndustrieKulturAbends“ am 11. November 2016 im „Goldberger-Saal“ des Ludwig-Erhard-Hauses. Er beleuchtete an diesem ebenfalls mit Lichtsymbolik verbundenen Martinstag eingangs die mythische und kulturhistorische Bedeutung des Lichts.

Sehnsucht nach Licht

Abgeleitet von der religiösen Dimension des Sonnenlichts im alten Ägypten zieht sich die Sehnsucht nach Licht durch die Menschheitsgeschichte, spiegelt sich in der christlichen Kunst des Mittelalters und reicht bis in unsere Zeit zu der Begeisterung für Lichtfestspiele in vielen Metropolen.
Diese Kooperationsveranstaltung des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) und des VfdGB, mit Unterstützung des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) und der Gesellschaft für Transfer immateriellen Vermögens (GTIV), spannte den Bogen von der Antike bis in das 21. Jahrhundert.

Dr. Manfred Uhlitz

Foto: Björn Berghausen, BBWA e.V.

Dr. Manfred Uhlitz: Bis heute Begeisterung für Lichtfestspiele

Jubiläum voraus: OSRAM taucht Berlin in Licht

OSRAM, im Kontext der Zusammenführung der Glühlampenproduktion der Auergesellschaft, von Siemens & Halske und der Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) 1919 entstanden und somit wie Berlin ein Jubiläumskandidat, stand im Fokus der historischen Ausführungen von Dr. Günther Luxbacher, TU-Privatdozent mit dem Fachgebiet Technikgeschichte. Er stellte in seinem Vortrag neben einstigen technischen Innovationen die noch heute im Berliner Stadtbild zu findenden Spuren der OSRAM-Präsenz dar.
Dass viel Licht auch „Schattenseiten“ haben kann, wurde ebenfalls erwähnt – so steht die 1924 betriebene Gründung des „Phoebus“-Kartells für die aus heutiger Sicht heftig umstrittene geplante Obsoleszenz von Massenprodukten. Aber auch die Verstrickungen in der NS-Zeit, sehr anschaulich an der von Albert Speer entwickelten eigenen Technik für den „Baustoff Licht“ in Form der Bündelung von FLAK-Scheinwerferstrahlen zu „Lichtdomen“ für Propagandazwecke darstellbar, wurden angesprochen.
OSRAM – das bleibt festzuhalten – ist technisch und organisatorisch seit der Gründung ein Schrittmacher; das zeigen auch die Schritte des Werkes in Spandau hin zur Industrie 4.0.

Dr. Günther Luxbacher

Foto: Björn Berghausen, BBWA e.V.

Dr. Günther Luxbacher: OSRAM mit viel Licht, aber auch Schatten in der Historie

Mit Licht Brücken zwischen Stadtteilen errichten

Helmut M. Bien, Kurator u.a. des Lichtfestivals „luminale“ in Frankfurt/Main, führte anhand mehrerer eindrucksvoller Beispiele aus der Rhein-Main-Region aus, wie Lichtinstallationen helfen können, „Unorte“ in die Wahrnehmung zurückzuholen und zum integralen Teil des von Bürgern erlebbaren Öffentlichen Raums zu machen:
So stellte der Main als ein dunkles Band früher nachts geradezu eine mentale Barriere zwischen den Stadtteilen an beiden Ufern dar – heute schlägt farbiges Licht einen Bogen und erzeugt so einen Meta-Stadtraum über der Mainmetropole unter Einbindung umgewidmeter Zeugen der Industriekultur.
Er kritisierte heftig den Fokus bestehender Berliner Lichtfestspiele auf die bekannten touristischen Sehenswürdigkeiten; diese seien bereits im Normalfall professionell beleuchtet. Bien rief daher im Kontext des 100. Jubiläums der Schaffung von „Groß-Berlin“ zur Gründung eines kiezübergreifenden Lichtfestivals des 21. Jahrhunderts unter Bürgerbeteiligung auf, welches auf Basis der historischen Industriekultur, innovativer Konzepte und bereits in der Stadt ansässiger Experten mit dem Deutsche Technikmuseum als Nukleus die traditionelle Rolle der Stadt als „Elektropolis“ aufnehmen und fortentwickeln sollte. So könnte z.B. der heutige Park am Gleisdreieck zum „Lustgarten des 21. Jahrhunderts“ werden.

Helmut M. Bien

Foto: Björn Berghausen, BBWA e.V.

Helmut M. Bien: Kritik an der Fokussierung bestehender Lichtfestivals auf touristische Stätten

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