Arbeitsgemeinschaft für die historischen Friedhöfe und Kirchhöfe Berlins erinnert an das Wirken Carl Ludwig Zeitlers

Jubiläumsfeier zum 30-jährigen Bestehen der Arge am 27. Oktober 2012 stellte erfolgreiche Projekte zum Erhalt des kulturhistorischen Erbes vor

[Auf dem Campus, 27.10.2012] Die Arbeitsgemeinschaft für die historischen Friedhöfe und Kirchhöfe Berlins e.V. (Arge) hat es sich zur Aufgabe gemacht, zur Pflege, Bewahrung und Erkundung von Fried- sowie Kirchhöfen bzw. einzelner Grabstätten beizutragen, um so das geschichtliche, kulturelle und künstlerische Gedächtnis Berlins zu erhalten. Motivation zur Gründung war auch die Zunahme von Zerstörungen und Diebstählen auf den Kreuzberger Friedhöfen Anfang der 1980er-Jahre. Mitglieder der damaligen Bezirksverordnetenversammlung Kreuzberg ergriffen die Initiative zur Vereinsgründung. Sie hatten es sich zum Ziel gesetzt, auf Grabanlagen und Bauwerke von besonderem kunst-, kultur- und stadtgeschichtlichen Rang aufmerksam zu machen und für deren Sicherung finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Begleitet werden sollte diese Arbeit stets mit der Erforschung der historischen Hintergründe – die Forschungsergebnisse werden seit einigen Jahren in den Quartalsheften („MITTEILUNGEN“) des Vereins für die Geschichte Berlins e.V., gegr. 1865 publiziert.
Die Arge ist korporatives Mitglied der 1989 gegründeten Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg. In den vergangenen Jahren wurden denkmalpflegerische Maßnahmen in den Ortsteilen Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg in Auftrag gegeben. Als ein herausragendes Beispiel ist hierzu das „Mausoleum Zeitler“ zu nennen – Carl Ludwig Zeitler war ein Berliner Kaufmann und Mäzen. Um 1860 hatte Zeitler einen Berliner Hochschul-Campus nach dem Vorbild von Harvard errichten wollen. Doch erhielt er dafür keine Genehmigung, so dass er auf dem dafür vorgesehenen Grundstück mehrere Wohnhäuser errichten ließ, um aus deren Einkünften vorrangig Studenten zu fördern. Auf dem Dach des Hauses Büschingstraße 35 ließ er sogar eine Sternwarte errichten; im Haus stand zudem ein Konzert- und Vortragssaal zur Verfügung. Er stand den in seinen Häusern wohnenden Studenten sehr nahe und zog zum Ende seines Wirkens mit seiner Frau in das von ihm gestiftete „Kandidatenheim“. Zeitler war auch einer der Gründer und Förderer der Berliner Urania.

Foto: Inductor

Foto: Inductor

Restauriertes Mausoleum Zeitler: Ruhestätte des Berliner Kaufmanns und Mäzens Carl Ludwig Zeitler [http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Zeitler-Gruft.jpg&filetimestamp=20091013125919], August 2009

Die Arge lud am 27. Oktober 2012 zur Feier ihres 30-jährigen Bestehens in die Kapelle und das Glashaus des Friedrichwerderschen Friedhofs in Kreuzberg ein. Deren Vorsitzende, Doris Tüsselmann, betonte, dass die städtischen Friedhöfe vor allem den Lebenden dienten – als Oasen in der hektischen Stadtlandschaft böten sie die Möglichkeit, in der Stille Ruhe zu finden. Das Angebot, inmitten der besonderen Flora und Fauna dieser Grünflächen seinen inneren Frieden zu finden, richte sich auch an solche Besucher, die auf dem betreffenden Friedhof keine Angehörigen bestattet haben. Die Grabmale lüden ein, über die von ihnen symbolisierte Geschichte nachzudenken und diese zu erforschen. Erst in den 1970er-Jahren sei das Bewusstsein für die Schutzwürdigkeit der Friedhöfe als Teil des Kulturerbes erwacht – für viele wertvolle Artefakte sei es da bereits zu spät gewesen, so Tüsselmann. Sie erinnerte an den verstorbenen Arge-Vorsitzenden Alexander Langenheld, dessen Engagement für den Erhalt bedeutender preußischer Grabstätten zur Vereinsgründung am 14. Oktober 1982 geführt habe. Die gemeinnützige Arge sei schließlich am 13. Juni 1983 in das Vereinsregister eingetragen worden. Bis heute vollbringe eine relativ kleine Zahl aktiver Mitglieder bedeutende Leistungen, um die Vereinsziele zu verwirklichen.

Foto: Dirk Pinnow

Foto: Dirk Pinnow

Doris Tüsselmann: Friedhöfe laden zum Erforschen der Geschichte ein

Unterstützt wurden von der Arge bisher ferner die wissenschaftlichen Forschungsarbeiten in der Gruft der Parochialkirche – mit ihrer Hilfe konnten die Epitaphien aus der zerstörten und gesprengten Georgenkirche einen würdigen Standort in dem „Mausoleum Brink“ auf dem Kirchhof der Parochialkirche finden. Die Arge bietet in loser Reihenfolge Führungen über die Friedhöfe im Raum Berlin an sowie andere themenspezifische Veranstaltungen.

In seinem Grußwort wünschte Walter Momper, ehem. Präsident des Abgeordnetenhauses von Berlin und 11. Regierender Bürgermeister von Berlin, der Arge angesichts der gewaltigen Aufgaben dann auch möglichst viele – beitragszahlende – Mitglieder. Auch Momper unterstrich die Bedeutung der Fried- und Kirchhöfe als Teil der kulturhistorischen Erbes, als Gedächtnis der Stadt. Sie seien auch gewissermaßen Volksbildungsstätten, lehrten sie den Betrachter doch Geschichte, kündeten sie vom bürgerlichen Selbstverständnis in der Vergangenheit. Kreuzberg sei in diesem Zusammenhang quasi eine „Walhalla“ der deutschen Geschichte. Er nannte weitere Berliner Friedhöfe von herausragender historischer Bedeutung, so in Weißensee und in der Heerstraße, aber auch die Garnisonsfriedhöfe spiegelten die Höhen und Tiefen unserer Geschichte wider. Relikte der NS-Zeit einerseits, aber eben auch Zeugnisse der lichten Momente deutscher Geschichte ließen sich finden. Er setze sich insbesondere für den Erhalt des Friedhofs der Märzgefallenen ein – mögen diese Helden von 1848 im Kampf für Freiheit und bürgerliche Selbstbestimmung auch politisch gescheitert sein, so lebten ihre revolutionären Ideen doch bis heute fort. Die Berliner Friedhöfe seien Baudenkmäler und Kunstsammlungen insbesondere des 19. Jahrhunderts zugleich – dieses sei in den Phasen der Abrisswut der 1960er- und 1970er-Jahre leider geringgeschätzt worden. Es gebe heute noch so viel zu tun, verbunden sei dies mit hohen Kosten, die der Staat allein nicht tragen könne, weshalb eben zivilgesellschaftliches Engagement weiter notwendig sei. Momper wünschte der Arge abschließend viel Erfolg beim zukünftigen Wirken zum Nutzen der Stadt und ihrer Bürger.

Weitere Informationen zum Thema:

Stiftung Historische Kirchhöfe und Friedhöfe in Berlin-Brandenburg
Unter jedem Grabstein eine Weltgeschichte – Berliner Grabmale retten

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