90 Jahre: Verband der Ingenieure für Kommunikation beging Jubiläum

IfKom als konstruktiv-kritischer Förderer moderner Informations- und Kommunikationstechnik

[Auf dem Campus, 28.10.2013] Der Verband Ingenieure für Kommunikation e.V. (IfKom), 1923 als „Verband der Ingenieure bei der Deutschen Reichspost“ gegründet, feierte am 18. Oktober 2013 sein 90. Jubiläum in Berlin.

Mehr junge Menschen für Ingenieur-Studium gewinnen

Heinz Leymann, der IfKom-Bundesvorsitzende, kennzeichnete den IfKom als „Schwungrad“ für Veränderungen, zeige sich doch gerade auf dem Gebiet der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ein beschleunigter technischer Wandel. Diese dynamischen Prozess gelte es fördernd, aber auch konstruktiv-kritisch zu begleiten.
Die Gründung im Herbst 1923 als „Verband der Ingenieure bei der Deutschen Reichspost“ in Berlin sei übrigens der damaligen rasanten Entwicklung der Telefonie geschuldet gewesen. Nach der NS-Machtübernahme sei auch dieser Verband der „Gleichschaltung“ zum Opfer gefallen und 1934 sogar aufgelöst worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei es 1951 zur Wiedergründung in Darmstadt gekommen, als Sitz habe man Düsseldorf gewählt. Als „Verband Deutscher Postingenieure“ (VDPI) habe er sich vor allem um die berufsständigen Interessen der Ingenieure im Öffentlichen Dienst, um deren Reputation und um Kooperationen gekümmert. 1999 dann sei die Umbenennung in „Ingenieure für Kommunikation“ erfolgt und man habe sich für Ingenieure aus den Nachfolgeunternehmen bzw. -institutionen der Deutschen Bundespost geöffnet.
Man wolle den Standort Deutschland stärken, sich für gute Studienbedingungen einsetzen, kreatives vernetztes Denken und Managementfähigkeiten fördern. Mehr junge Menschen sollten zur Aufnahme eines Ingenieur-Studiums bewegt werden. Es gehe dem IfKom um eine breit angelegte Teilhabe an der digitalen Infrastruktur, betonte Leymann.

MINT-Fächer von Bedeutung für die ganze Volkswirtschaft

Die Rolle des Verbandes als Organisation deutscher Ingenieure gerade in unsicherer Zeit stellte Prof. Dr. Volker Saupe, Rektor der Hochschule für Telekommunikation Leipzig, heraus. Heute, im Kontext der Diskussion um die sogenannten MINT-Fächer, müsse man verstehen, dass die Förderung des Nachwuchses gemeinsames Anliegen sein sollte, denn die Wirtschaftskraft der der ganzen Volkswirtschaft hänge daran – und Folgen seien erst mit einem Verzug von 20 bis 30 Jahren spürbar.
Die Ausbildung müsse indes so erfolgen, dass sie einen erfolgreichen Eintritt in das Arbeitsleben erwarten ließe. Momentan sei bereits eine starke Nachfrage nach IKT-Experten spürbar, erläuterte Professor Saupe.

Fairer Umgang mit Führungskräften und Belegschaft

Der Vorsitzende des Verbandes „Die Führungskräfte“, Bernhard von Rothkirch, unterstrich die Rolle des IfKom, den IKT-Ingenieuren gegenüber Politik und Gesellschaft eine Stimme zu geben und Sachverstand zu bündeln. Gerade in Zeiten der Krise stellten sich neue Herausforderungen, seien neue Sichtweisen und Veränderungsbereitschaft erforderlich.
Ihm gehe es um einen fairen Umgang mit Führungskräften und Belegschaft gleichermaßen – hierzu bedürfe es der Motivation und der Erfolgs- sowie Zielorientierung. Darüber ließe sich eine Identifikation der Angestellten mit dem Arbeitgeber und eine Fokussierung auf die Kernaufgaben erreichen, so von Rothkirch.

Erfolgreiche Kooperation IfKom-VDI

Der Leiter des Bereichs „Beruf und Gesellschaft“ im VDI, Lars Funk, überbrachte Glückwünsche des Vereins Deutscher Ingenieure. In seinem Grußwort betonte er die schon seit mindestens 15 Jahren anhaltende enge Kooperation beider Vereine.
Ihnen gehe es dabei darum, einer Initiative zur europaweiten Anerkennung der Ingenieursausbildung zum Erfolg zu verhelfen. Erst vor einer Woche sei in diesem Zusammenhang eine neue EU-Richtlinie für den „Europäischen Berufsausweis“ auf den Weg gebracht worden. Er rechne aber noch mit rund fünf Jahren Arbeit zu deren Umsetzung. Der VDI freue sich auf die Fortführung der Kooperation, sagte Funk.

Weitergabe von Wissen als stets aktuelle Aufgabe

Der Vorstandsvorsitzende des Verbandes eco, Prof. Michael Rotert, betonte, dass 90 Jahre für einen techniknahen Verein beachtlich seien.
Aber es gehe ja auch um die stets aktuelle Weitergabe von Wissen, besonders auf dem Gebiet der Telefonie.
Es sei übrigens bemerkenswert, dass in den letzten 20 Jahren die Nutzeranzahl beim Mobilfunk stärker als beim Internet gewachsen sei – so gebe es derzeit schätzungsweise vier Milliarden Nutzer weltweit, bei rund sechs Milliarden Verträgen.
Kritisch äußerte sich Professor Rotert zum Thema Regulierung: Wenn man das analoge Leben so regeln würde wie das virtuelle, sei dieses wohl kaum lebenswert…

Regulierung, wo nötig – Liberalisierung, wenn möglich…

In ihrem Festvortrag nahm die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur, Dr. Iris Henseler-Unger, Stellung zur grundsätzlichen Frage der Regulierung: Der Zugang zu Netzen sollte dann reguliert werden, wenn die Infrastruktur nicht einfach replizierbar sei, ansonsten sei eine Liberalisierung denkbar, könne eine Daseinsvorsorge auch privat erfolgen (wie z.B. bei den Bäckern).
Bei der Bundesnetzagentur sei interdisziplinäres Arbeiten gefragt, gehe es doch jeweils um die Klärung der technischen, wirtschaftlichen und juristischen Machbarkeit von Projekten. Auch sie hob hervor, dass die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft heute stark von der IKT-Infrastruktur abhängig sei.
Im Festnetzbereich habe man mit der Liberalisierung bei den Endgeräten begonnen – die damaligen Angebote der Bundespost seien auch recht eintönig gewesen. Auch im Mobilfunkbereich sei die Liberalisierung geglückt. Die Schiedsrichterfunktion der Bundesnetzagentur sei allerdings oft umstritten.
Eine besondere Herausforderung stelle die Versorgung des ländlichen Raums mit Breitband in kommerziell vertretbarer Weise dar. 80 Milliarden Euro wären für eine flächendeckende Glasfaserverlegung nötig. Als Alternative komme Hochleistungsfunk in Frage.
Die sogenannte „Netzneutralität“ führte sie als „heißes Eisen“ an, denn es gehe schon um ein Bekenntnis zu hoher Übertragungsqualität, wozu wichtige Entwicklungen auch in Deutschland vorangebracht werden müssten.
Trotz aller europäischen Harmonisierung blieben nationale Besonderheiten auch auf technischem Gebiet bestehen – bis heute gebe es kein „one size fits all“.
Man müsse den Ausbau von Kapazitäten unterstützen, um einen „best effort“ zu ermöglichen, so Dr. Henseler-Unger zur Zukunftsaufgabe des IfKom.

Weitere Informationen zum Thema:

IfKom – Ingenieure für Kommunikation, 20.10.2013
90 Jahre IfKom: Ingenieurverbände sind Schwungrad der dynamischen Entwicklung

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